Aug 27, 2026

Photovoltaik kaufen oder pachten? Was rechnet sich 2026 wirklich?

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Kurze Antwort: Für selbstgenutzte Einfamilienhäuser ist Kauf häufig die wirtschaftlich bessere Wahl. Pacht verschiebt die Kosten — Anfangsinvestition entfällt, dafür zahlen Sie über die Laufzeit — aber sie ist nicht automatisch günstiger.

Ein wichtiger Punkt vorweg. In den USA und in Australien ist Solar-Lease/PPA ein verbreitetes Produkt: Ein Dritter besitzt die Module auf Ihrem Dach, Sie kaufen den Strom zu einem vereinbarten Tarif, der Dritte behält die Steuergutschrift und übernimmt die Wartung. In Deutschland funktioniert das anders — „Pacht" im weiteren Sinne meint hier Miet- oder Abo-Modelle einzelner Anbieter, in denen kein echter Dritter die Steuer- oder Förderlogik in großem Stil mitnimmt.

Das Wesentliche in Kürze

Frage Antwort
Wer gewinnt meist? Kauf, häufig bei selbstgenutzten Einfamilienhäusern.
Wann kann Pacht schlagen? Wenn Sie den Kauf nicht finanzieren können, das Dach nicht langfristig behalten oder null Wartungsaufwand wollen.
Die drei Treiber Verweildauer im Haus, Finanzierungskosten, Eigenverbrauchsquote.
Typische Pacht-Laufzeit 15–20 Jahre, oft mit Verlängerungs- oder Kaufoption am Ende.
Was Pacht nicht ist Eine Ersparnis. Ob sie sich rechnet, hängt stark von Monatsrate, Vertragslaufzeit, enthaltenen Leistungen und Kaufoption ab.

Die Eine-Zeile-Erkenntnis: Wer die Anlage langfristig nutzen möchte und innerhalb der geplanten Haltedauer einen Großteil der Investition über eingesparte Stromkosten zurückverdient, fährt mit dem Kauf häufig besser.

Warum „Photovoltaik pachten" in Deutschland selten die richtige Frage ist

Wer „Photovoltaik pachten" googelt, landet schnell bei Miet- und Abo-Modellen einzelner Anbieter. Auf den ersten Blick klingt das nach weniger Risiko. Beim zweiten Blick sind die Konstrukte sehr heterogen — manche ähneln einem klassischen Leasing (feste Rate, Eigentum am Ende optional), andere eher einem Stromabonnement.

In Deutschland kommen drei strukturelle Punkte hinzu, die das Modell häufig unattraktiv machen:

  • Selbst verbrauchter Strom ersetzt teuren Haushaltsstrom. Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde Solarstrom ersetzt Haushaltsstrom zu rund 37 ct/kWh (BDEW-Strompreisanalyse, Januar 2026; nach ~39,6 ct/kWh im Jahr 2025). Eine eingespeiste Kilowattstunde bringt nach EEG nur rund 7,8 ct/kWh Vergütung. Der wirtschaftliche Vorteil des Eigenverbrauchs ist damit deutlich größer als der reine Einspeiseertrag. Diese Marge fließt beim Kauf zu Ihnen, beim Pacht-Modell in der Regel zum Anbieter.
  • Der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 UStG ist seit dem 1. Januar 2023 (Jahressteuergesetz 2022) unter den dort geregelten Voraussetzungen auf bestimmte PV-Lieferungen und -Installationen anwendbar — Anlagen ≤ 30 kWp laut Marktstammdatenregister, einschließlich begünstigter Batteriespeicher. Beim Kauf schlägt sich dieser steuerliche Vorteil direkt in der Anschaffung nieder. Bei Pacht fließt er an den Anbieter; eine vollständige Weitergabe an Sie ist nicht garantiert. Ob der Nullsteuersatz im konkreten Fall greift, sollte anhand der aktuellen UStG-Regeln und der Auslegung durch die Finanzverwaltung geprüft werden.
  • Finanzierungsangebote sind günstig und verbreitet. KfW-Förderprogramme für erneuerbare Energien, green loans der Banken, Lombardkredite auf bestehende Immobilien — die Wege zum Eigenkapital-Ersatz sind breit.

Die Frage stellt sich trotzdem — meist, weil jemand „0 € Anzahlung" bewirbt.

Was kosten Kauf und Pacht wirklich? Ein Vergleich der drei Modelle

Eine seriöse Wirtschaftlichkeitsbetrachtung trennt drei Dinge: was die Anlage kostet, was sie erwirtschaftet, und was der Anbieter im Pacht-Modell tatsächlich übernimmt. Was folgt, ist ein qualitativer Vergleich der drei Modelle; für eine echte Drei-Szenarien-Rechnung braucht es Ihr konkretes Dach, Ihren Strompreis und ein verbindliches Angebot.

Annahmen für dieses illustrative Beispiel (Stand 2026):

  • 10 kWp, Süd-Ausrichtung.
  • Schlüsselfertige Anschaffungskosten (Module, Wechselrichter, Montagesystem, Verkabelung, Elektroarbeit, Installation, Netzanmeldung, ggf. Gerüst, Monitoring, 0 % MwSt. nach § 12 Abs. 3 UStG sofern anwendbar) netto ca. 13.300 €. Das entspricht rund 1.330 €/kWp als grobe Orientierung; der tatsächliche schlüsselfertige Preis hängt stark von Dach, Komponenten und Installationsaufwand ab.
  • Jahresproduktion ~9.500–10.000 kWh (Fraunhofer ISE, BSW-Solar — ~950–1.000 kWh/kWp je nach Standort).
  • Haushaltsverbrauch ~4.500 kWh/Jahr. Eigenverbrauchsquote (Anteil des erzeugten Solarstroms, der direkt im Haus verbraucht wird) ohne Speicher typisch 30–35 %, mit Wärmepumpe oder E-Auto 40–50 %+. Der Autarkiegrad (Anteil des Hausverbrauchs, der durch die PV-Anlage gedeckt wird) liegt dann meist bei 25–40 %.
  • Strompreis Haushalt ~37 ct/kWh (BDEW Jan 2026).
  • Einspeisevergütung nach EEG zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme — abhängig von Inbetriebnahmedatum, Anlagengröße und Einspeisemodell. Für Anlagen ≤ 10 kWp auf Wohngebäuden lag die Teileinspeisung-Vergütung Anfang 2026 bei rund 7,8 ct/kWh (Februar-2026-Wert); Volleinspeisung tendenziell höher (Referenz 2025 ~12,6 ct/kWh). Die Vergütung wird halbjährlich gemäß § 51 EEG 2023 angepasst. Für eine belastbare Wirtschaftlichkeitsrechnung sollte das zum Zeitpunkt der Installation geltende EEG-Regime geprüft werden — politische Diskussionen über eine künftige Neugestaltung sind im Gange, eine endgültige regulatorische Klarheit liegt noch nicht vor.
  • Pacht-Modell: monatliche Rate, Anbieter übernimmt Wartung und Versicherung. Die konkreten Konditionen variieren stark.

Modell 1 — Kauf, bar bezahlt:

  • Einmalinvestition ~13.300 €.
  • Eigenverbrauch × Strompreis (~37 ct/kWh) + Einspeisung × EEG (~7,8 ct/kWh Teileinspeisung) = jährlicher Ertrag.
  • 20-Jahre-Plus: Investition vs. Erträge und Ersparnisse. Typischer Payback 7–12 Jahre (Fraunhofer ISE, BSW).

Modell 2 — Kauf, finanziert:

  • Investition über Annuitätendarlehen, Zinssatz verhandelbar (abhängig von Bonität, Sicherheiten und Konditionsklasse der Hausbank; green loans oft günstiger).
  • Nach Ende der Zinsbindung gehört die Anlage Ihnen; weitere Jahre Stromproduktion ohne Finanzierungslast.

Modell 3 — Pacht- / Mietmodell:

  • Keine Anfangsinvestition.
  • Monatliche Rate; Eigenverbrauch wird verrechnet (entweder im Pauschalpreis oder über einen kWh-Preis).
  • Anbieter übernimmt die Förderungen und die steuerlichen Vorteile.
  • Am Ende gehört die Anlage nicht Ihnen (oder Übergang zu einem Restwert).

Eine echte Rechnung über 20 Jahre hängt von Ihrem konkreten Strompreis, der Einspeisevergütung zum Inbetriebnahmedatum und den Pacht-Konditionen ab. Die qualitativen Größenordnungen bleiben aber konstant: Eigenverbrauch ist der größte Hebel, Finanzierungskosten sind der zweite, Vertragslaufzeit und Restwert der dritte.

Die drei Zahlen, die wirklich entscheiden

1. Wie lange bleiben Sie im Haus?

Module halten 25+ Jahre; Payback in den meisten deutschen Szenarien 7–12 Jahre. Wer vor dem Payback verkauft, hat die Vorleistung für den nächsten Besitzer erbracht. Bei einer geplanten Haltedauer von rund 10 Jahren oder mehr wird der Kauf häufig attraktiver als Pacht — das ist eine Faustregel, kein Naturgesetz.

2. Was kosten Sie die Finanzierung insgesamt?

Je niedriger die Finanzierungskosten, desto stärker spricht die Rechnung für den Kauf. Entscheidend ist nicht ein einzelner Zinssatz, sondern die Gesamtkosten des Kredits über die geplante Haltedauer im Vergleich zu den erwarteten Einsparungen — Eigenverbrauch, Einspeisevergütung, Restwert. KfW- und green-loan-Programme können je nach Bonität und Besicherung deutlich unter den Sätzen klassischer Ratenkredite liegen; fragen Sie Ihre Hausbank nach den tagesaktuellen Konditionen.

3. Wie hoch ist Ihre Eigenverbrauchsquote?

Eigenverbrauch ist der größte Hebel — er ersetzt teuren Haushaltsstrom durch selbst erzeugten. Wer den Strom zu Hause verbrauchen kann (Wärmepumpe, E-Auto, Home-Office), hebt die Eigenverbrauchsquote auf 40–50 %+ und vergrößert den Abstand zwischen Kauf und Pacht. Batteriespeicher verschieben das Verhältnis weiter zugunsten des Eigenverbrauchs — bei den aktuellen Speicherpreisen aber nicht in jedem Fall wirtschaftlich.

Wann Kauf klar häufig gewinnt

Kauf, bar oder über einen günstigen Kredit finanziert, ist in den meisten gängigen deutschen Szenarien die wirtschaftlich rationale Wahl: Eigenkapital oder günstiger Kredit, langfristige Nutzung der Anlage, nennenswerter Eigenverbrauch, Anlage als Vermögenswert, Planungssicherheit fester Stromkosten.

Wann Pacht oder ein Mietmodell sinnvoll sein kann

Eine kurze, ehrliche Liste: Sie bleiben nicht langfristig im Haus und der Wiederverkaufsmarkt ist ungünstig; Sie können nicht kaufen und haben keine Eigenmittel; Sie wollen null Aufwand und zahlen dafür ehrlich extra; der Anbieter ist seriös, transparent und die Vertragskonditionen (Rate, Laufzeit, enthaltene Leistungen, Kauf- oder Übergangsoption) sind schriftlich kalkulierbar.

Pacht ist nicht automatisch günstiger. Ob sie sich rechnet, hängt von Monatsrate, Vertragslaufzeit, enthaltenen Leistungen und Kaufoption ab — und genau das variiert von Anbieter zu Anbieter am stärksten.

Eine Anmerkung zu Pacht, Leasing, PPA, Contracting

Diese Begriffe werden oft synonym verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Konstrukte:

  • Pacht / Mietmodell: Rate für Nutzung der Anlage; Eigentum bleibt beim Anbieter.
  • Leasing: Juristisch ähnlich wie Pacht, oft mit Eigentumsübergang am Vertragsende zu einem Restwert.
  • PPA (Power Purchase Agreement): Preis pro kWh per den erzeugten Strom; Anlage bleibt beim Anbieter. In Deutschland im Wohngebäudebereich selten.
  • Contracting: Anbieter betreibt die Anlage und liefert Wärme oder Strom an Sie als Endkunde. Im Strombereich seltener im Wohngebäude.

Die genauen Konditionen — Preisanpassungsklauseln, Wartungsumfang, Übergangsregelung — variieren stark. Fragen Sie beim Anbieter konkret nach.

Mieterstrom ist ein separates Modell und wird hier nicht behandelt.

Ihr nächster Schritt

Bevor Sie mit einem Anbieter sprechen, vergleichen Sie die drei Modelle für Ihr eigenes Dach — Barkauf, Finanzierungskauf, Pacht/Mietmodell — mit Ihrem konkreten Strompreis, Ihrer realistischen Verweildauer und Ihrer voraussichtlichen Eigenverbrauchsquote. Holen Sie für jedes Modell mindestens zwei schriftliche Angebote ein und prüfen Sie das zum Zeitpunkt der Installation geltende EEG-Regime.

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